Lebensläufe


Bertha und Josef Harth, geboren in Bad Homburg

 

Bertha Harths Namen findet man auf dem Denkmal für die Bad Homburger Opfer des Nationalsozialismus. Bis zum Besuch ihrer Enkelinnen in Deutschland war über sie lediglich bekannt, dass sie am 28.8.1942 nach Theresienstadt deportiert worden war. Sie wurde, wie ihr Bruder Joseph, der von Köln aus verschleppt wurde, im Konzentrationslager ermordet. Auch die Enkelinnen von Bertha und Joseph Harth, die 2005 und 2007 nach Bad Homburg gekommen waren, kannten nur Bruchstücke der Geschichte ihrer Vorfahren. Die Ergebnisse der gemeinsamen Spurensuche in verschiedenen Archiven ermöglichen uns nun einen kleinen Einblick in das Leben und das Schicksal von Bertha und Joseph Harth.

Die Eltern von Bertha und Josef, der Tapezierer Konrad Harth und Betty Siedenberg, hatten 1878 geheiratet. Ungewöhnlich daran war, dass Betty jüdisch und ihr Mann katholisch war. Die beiden Kinder des Ehepaars, Joseph und Bertha, wurden jüdisch erzogen. Die Tochter Bertha, 1882 geboren, lebte bis zu ihrer Deportation in Bad Homburg. Dort brachte sie 1912 einen Sohn zur Welt, der bei ihrem Bruder in Köln aufwuchs. Nach seiner Schulausbildung arbeitete der junge Mann als Gärner und landwirtschaftlicher Lehrling in verschiedenen Betrieben,  von 1927-1929 im Sanatorium Goldschmidt in Bad Homburg.

Bertha Harth arbeitete als Verkäuferin in verschiedenen, zuletzt in jüdischen Geschäften in der Taunusstadt, im Hutgeschäft Beker, dem Kaufhaus S. Stern in der Louisenstraße sowie der Lebensmittelgroßhandlung Jacob Hirsch in der Höhestraße. Zum Schluss war sie, laut Eintragung des Einwohnermeldeamtes, als Hausgehilfin beschäftigt. Die Bad Homburgerin lebte zunächst, wie die Eltern, in der Wallstraße 14, später in der Obergasse 15 und zuletzt in der Gorch-Fockstraße 2, heute Am Hohlebrunnen, in einem sogenannten Judenhaus.

Am 28.8.1942 wurde Bertha Harth nach Theresienstadt deportiert, obwohl sie eigentlich aufgrund ihres christlichen Vaters nach der Naziterminologie „Halbjüdin“ war, jedoch aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit als „Geltungsjüdin“ geführt wurde. Am 1.12.1943 kam sie in Theresienstadt im Alter von 61 Jahren zu Tode.  

Ihr 1912 geborener Sohn Josef überlebte. Er emigrierte bereits 1933 nach Palästina, wo er bis zu seinem Tod 1975 lebte. Seine beiden Töchter kamen im Dezember 2007 zu einem Besuch nach Deutschland, um dort mehr über das Schicksal der Großmutter zu erfahren.

Zwei Jahre zuvor hatte sich deren Alisa Harth, auf den Weg gemacht, um nach Spuren ihrer Vorfahren in Bad Homburg und in Köln zu suchen. Über ihren Großvater, den Bruder von Bertha Harth, konnte sie in Erfahrung bringen, dass er von 1898 bis 1907 als Lehrer an der Israelitischen Elementarschule in Bentheim gearbeitet hatte. Zusammen mit seiner Frau wurde Joseph Harth am 22.10.1941 nach Lodz deportiert, am 38. Hochzeitstag des Ehepaars. Dort kam Joseph Harth am 24.4.1943 zu Tode. An das Ehepaar erinnert ein Stolperstein in Köln.

Den beiden Kindern war es in den 30er Jahren gelungen, nach Palästina auszuwandern.

Nun hatte sich die Enkelin von Josef und Adele Harth auf Spurensuche begeben. Welche Orte haben für sie Bedeutung? Der erste Schritt führte Alisa zu dem Grab der Urgroßmutter auf dem jüdischen Friedhof  im Gluckensteinweg in Bad Homburg. Bewegt und erleichtert stand sie vor dem verwitterten Grabstein von Bettchen Harth, den sie erst nach längerem Suchen gefunden hatte, da die Schrift kaum noch zu lesen ist. Irith und Dorit, die Enkelinnen von Bertha Harth, beeindruckte vor allem das Denkmal für die Opfer der Deportation in der Wallstraße, wo sie den Namen der Großmutter finden. Es ist nur wenige Schritte vom früheren Wohnhaus von Bertha Harth in der ehemaligen Judengasse entfernt.

Der sehnlichste Wunsch der Cousinen ist es nun, mit einem Stolperstein an ihre Großmutter zu erinnern.

 

Text und Recherchen: Angelika Rieber

 

Quellen:

Stadtarchiv Bad Homburg

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Informationen der Enkelinnen

Heinz Grosche: Geschichte der Juden in Bad Homburg v. d. Höhe